Die Geistige Verstoffwechselung

(The Metabolization of the Cognitive)

Justizvollzugsanstalt II Kassel, 2012

 

 

Eine Arbeit in den hermetischen Räumen der Justizvollzugsanstalt II Kassel.

Oktober 2012

 

Die Justizvollzugsanstalt Kassel ist eine geschlossene Anstalt und bildet damit einen hermetisch abgeschlossenen Bereich. Ein Wesen mit klar definierter Begrenzung, das sich eigenverantwortlich verwaltet. Damit bildet die JVA etwas, das sich als Apparat beschreiben lässt, welcher ein internes Selbst besitzt und über sich selbst verfügt. Der Transit von Material, Energie und Personen wird reguliert und die betrieblichen Prozesse werden intern geregelt. Das Projekt Die Geistige Verstoffwechselung beschäftigt sich mit den internen und externen Funktionen dieses Apparates und beschreibt ihn als eine Art Organismus. Es nimmt weniger Bezug auf die gesellschaftlichen Strukturen innerhalb der Anlage, sondern viel mehr auf die Biologie der Sache selbst. Überträgt man das Schema der Justizvollzugsanstalt auf das einer biologischen Zelle, so stößt man auf identische Grundmuster. Zwischen Mikro- und Mesobereich bestehen bei diesem Vergleich spezifische Parallelen. Beide Apparate, sowohl der biologische, als auch der bauliche, funktionieren als Raum eines Prozesses, als geschlossener Apparat mit einem Eigenleben, in dem Austausch und innere Entwicklung stattfindet. Der Grundaufbau der Zelle, die kleinste selbst-ständig lebende Einheit, besteht aus einer Zellmembran, einem Zellleib und einem Zellkern. Die Membran reguliert den Austausch der ein- und austretenden Stoffe zwischen dem Intra- und Extrazellularraum. Die Zelle ist in ihrer Umgebung zur Reizaufnahme fähig und in der Lage Reize zu beantworten. Innerhalb der Zelle findet die sogenannte Verstoffwechselung statt und die damit verbundene Energiegewinnung. Die Installation im Inneren der JVA II beschreibt den Versuch ein geschlossenes Organ mit einer ihr fremden Form des Stoffwechsels zu konfrontieren. Damit wird ein biochemischer Prozess initiiert, der einen unvorhersehbaren Austausch in Gang setzt. Die eingebettete Arbeit in der JVA wird, als weiteres Organell der Anlage, einen Teil des Verstoffwechselungs-prozesses übernehmen. Die Handlung als künstlerische Konfrontation entsteht aus poetischer Sicht und behandelt die Justizvollzugsanstalt als eine intellektuelle und physische Form, eine lebensbeinhaltende Zelle, einen Informations-träger. Das Einbringen des Projektes in diesen Ort lässt sich als Prozess der Befruchtung beschreiben.

 

home

KONTAKT